Thomas C. Garbe,
Einsamkeit, Licht und Stille
Über Johannes Nawrath und seine Seestücke,
Rede zur fünften Atelier-Vernissage am 21.11.1999,
Privatdruck, Hamburg 1999

29,7 x 19,5 cm, 16 Seiten, mit 9 Farbabbildungen, Broschur

Euro 5,– zuzüglich Euro 2,– Porto- und Verpackung
Bestellung unter: jn@johannes-nawrath.de

117. »Fischerboot im Hafen«,
1997, 90 x 120 cm, Acryl auf Leinwand, Privatbesitz

»Mit dem 1997 entstandenen Fischerboot im Hafen, einem seiner ersten originären Seestücke, hat die Farbgebung sich geändert. Ein Bild wie Wellen am Strand aus diesem Jahr ist ohne den Einfluß Vallotons in seinen Farben nicht denkbar. Statt klarer Kälte gibt es in den Bildern Nawraths seitdem häufiger schwermütige Einsamkeit und Stille wie in den späten Landschaften Hammershois. Geblieben hingegen ist die Abwesenheit des Menschen als Subjekt.
Die zunehmende thematische Beschäftigung mit dem Wasser und darstellerische Konzentration auf das Wasser, einem Element, das per se nicht individuell und durch den Menschen in seinem Aggregatzustand nicht formbar ist, hat Nawrath gezwungen, seine Zurückhaltung gegenüber den Gegenständen seiner Bilder, wenn nicht aufzugeben, so doch kleiner werden zu lassen. Nicht der dargestellte Gegenstand ist individuell geworden, sondern die Darstellung und Darstellungsweise unter stetiger Zunahme der künstlerischen Mittel.

154. »Bohrinsel im Nebel«,
1999, 90 x 120 cm, Acryl auf Leinwand, Privatbesitz

In den Seestücken gibt es weniger abstrahierende Vereinfachungen, weniger durch helles Bildlicht geförderte, überdeutliche Konturenschärfe. Auch die technischen Gebilde, Architekturen und Artefakte stehen nicht mehr ungerührt im Mittelpunkt der Bilder und wollen ihre Geschichte erzählen.
Die Bohrinsel im Nebel im gleichnamigen Bild steht nicht mehr zentral, hier wird keine vordergründige Geschichte mehr erzählt. Die dieses Bild bestimmende Farbe, ein an den Grundton von Hammershois Interieurs erinnerndes, fast monochromes Grau, ist sein eigentlicher Inhalt. Die Stimmung dieses Bildes evoziert dessen romantischen Urgrund und verweist somit auf die deutsche Romantik als weiteren Einfluß.

146. »Segelboote am Morgen«,
1999, 90 x 120 cm, Acryl auf Leinwand, Privatbesitz



Während im Bild Bohrinsel im Nebel die Strukturen durch die weitgehende Monochronie und Unschärfe aufgelöst werden, geschieht dies in Segelboot am Morgen durch ein faszinierendes Licht- und Schattenspiel. Der Kontrast des unscharf gemalten und doch deutlich wirkenden Bootssteges zu dem in seiner fließenden Beweglichkeit klar konturierten Wasser gibt diesem Bild eine verwirrende Dynamik. Niemand käme auf die Idee, hier noch von Neuer Sachlichkeit zu sprechen.« Thomas C. Garbe



Thomas C.Garbe,
Jahrgang 1952, Rechtsanwalt und Publizist in Hamburg. Herausgeber von Publikationen von Wolfgang Hildesheimer, Ernat Jünger und Peter Rühmkorf über Horst Janssen.
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