Johannes Nawrath –
Landschaftsmalerei
1985-2005
Katalog zur Ausstellung im
Ernst Barlach Museum Ratzeburg
4. September bis 13. November 2005
Mit Beiträgen von Jürgen Doppelstein und Matthias Politycki,
Verzeichnis der ausgestellten Bilder und biografischen Angaben


23 x 12 cm, 24 Seiten, mit 12 Farbabbildungen, Broschur

Euro 8,– zuzüglich Euro 2,– Porto- und Verpackung
Bestellung unter: jn@johannes-nawrath.de

Zusammen mit den Broschüren
Der zweite Blick/Mein erstes Bild
Im Labyrinth der Rätsel
Maler der Wege
Lichtungen
in der Katalogbox zur Ausstellung in Ratzeburg

Euro 20,– zuzüglich Euro 2,– Porto- und Verpackung
Bestellung unter: jn@johannes-nawrath.de

112. »Strandkörbe«, 1996,
90 x 120 cm, Acryl auf Leinwand,
Privatbesitz
»Weitgehend im typischen
Nawrathblaugrau gehalten, strahlt
Strandkörbe eine unheimliche Ruhe
aus, nicht unbedingt die Ruhe vor,
eher diejenige nach dem Sturm,
am ehesten vielleicht eine Ruhe,
die niemals mehr von einem Sturm
erlöst werden wird – die visuelle
Darstellung eines emotionalen
Hallraums, in dem auch das leiseste
Zischeln, wie man‘s sich zwischen
den Strandkörben gerade noch vorstellen könnte, gleich wieder verschluckt wird, ein Wall der Dinge, die sich gegen ihre ursprüngliche Bestimmung verschworen und gegen ihre Schöpfer verbündet haben, eine Kriegserklärung in Form eines Stillebens.
Ich gestehe, daß ich vor diesem Bild einen Heidenrespekt habe, man braucht schon ein gerüttelt Maß an Selbstgewißheit, um all die schroffe Zurückweisung darin zu goutieren. Natürlich gelingt es mir auch in diesem Fall nicht, mein interpretatorisches Kalkül zu beschwichtigen; anders als der Schöpfer des Bildes kann ich mich mit der demütigenden Abfuhr seitens der Dinge nicht abfinden, ertrage sie ohne das Palliativ der Sprache nicht. Wo Nawrath alles in der Schwebe hält, indem er den Strandkörben das Terrain überläßt – und in anderen seiner Werke mögen es die Furchen eines Ackers sein, die Lichterfluten über Meer und Watt, die Reifenspuren am Strand, Traktorenspuren auf Feldwegen – , wo Nawrath auf Augenhöhe mit den Dingen seinem ruhigen Geschäft der Weltabbildung nachgeht, stehe ich, der nichts als Worte zur Verfügung hat, am Ende meiner Kunst und knirsche mit den Zähnen.«
Matthias Politycki


Matthias Politycki, Jahrgang 1955, studierte Germanistik und Philosophie und lebt als Schriftsteller in Hamburg und München. U.a. erschien: »Weiberroman« (1997), »Ein Mann von vierzig Jahren.« Roman (2000), »Das Schweigen am anderen Ende des Rüssels.« Erzählungen (2001) und zuletzt »Herr der Hörner.« Roman (2005).
www.matthias-politycki.de
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